Ein wunderbarer Steinweg an der Kleinen Emscher |
... über einen fröhlichen Gruß in schwerer Zeit |
Die Kleine Emscher ist ein Altarm der Emscher. Sie fließt von Oberhausen-Buschhausen nach Duisburg-Walsum und mündet dort in den Rhein. Diesen Weg bin ich neulich gegangen, über einen sehr schönen Fuß-/Radweg, vorbei an grünen und sehr naturnahen Kleine-Emscher-Auen. Und was sehe ich da am Wegesrand in Buschhausen? Diesen wundervollen Steinweg. Ich konnte nicht anders und habe einige dieser liebevoll gestalteten Steine fotografiert, um sie hier zu präsentieren. Für mich war dies ein besonderer Gruß meiner Mitmenschen in einer schweren Zeit des Social Distancings. Danke :-) Er hat mir den Tag verschönert.
Dank Corona leben wir in einer Zeit, in der persönliche Kontakte auf ein Minimum beschränkt werden sollen. Schon die bunten Regenbogen, die seit Wochen viele tausend Fenster zieren, gemeinsam mit Schriftzügen wie „Wir vermissen Euch“ oder "Wir denken an Dich", waren Signale, die den Mitmenschen über die schlimmste Einsamkeit hinweghelfen sollten. Dieser Steinweg in Buschhausen war für mich dasselbe Zeichen der Verbundenheit. Tatsächlich wurde mir nach vielen Kilometern der Wanderung (ich bin flussaufwärts, also von Walsum bis Buschhausen gelaufen) überhaupt erst bewusst, dass ich am Rande eines Wohngebietes war, in dem, auch wenn ich keinen von ihnen sah, eine Menge Menschen lebte – und auch viele Kinder, von denen einige ganz sicher die Urheber dieser kleinen Kunstwerke waren.
Da vorne kommt wieder einer um die Wegbiegung. Nein, zwei sogar – Mist, dann wird es schwieriger. Einer allein hat meist schlechte Karten. Auf einem Wanderweg wie diesem kann er kaum zur Seite entkommen. Wie auf dem Präsentierteller ist er mir ausgeliefert, ohne jeden Schutz, ohne Deckung. Da erfordert es schon eine gewisse Dreistigkeit, um mir noch zu entwischen.
Aber noch etwas habe ich auf meinem Weg bemerkt – nicht zum ersten Mal seit der Kontaktverbote: In diesen Zeiten scheint es mir noch schwerer geworden zu sein, entgegenkommenden Passanten ein „Hallo“ zu entlocken. Das Prinzip der „Kontaktsperre“ , neumodisch „Social Distancing“ genannt, scheint mir so ernst genommen zu werden, dass ich von entgegenkommenden Personen kaum noch einen Blick erhaschen kann, geschweige denn einen freundlichen Gruß. Das war schon immer schwer, wie ich vor Jahren bereits beschrieben habe (in der Kurzgeschichte „Herausgerissen“; s. Kasten), doch mir scheint, dass die Menschen sich jetzt noch viel entschiedener davor schützen, angesprochen zu werden – als wenn man sich dadurch anstecken könnte oder gegen ein Gesetz verstieße. An diesem Tag habe ich mir jedenfalls ungewöhnlich viele Körbe geholt.
Ein Gruß tut gut. Sehr gut. Er kann einen Tag verschönern, er kann ihn sogar retten. Die Steine am Wegesrand haben mich an diesem Tag für alle eingeholten Körbe entschädigt. Jeder einzelne war ein Lächeln, das mir galt, selbst der abgebröckelte Ziegelstein mit Mörtelrest. So etwas tut unendlich gut!
Also lasst doch bitte diesen kleinen Artikel voller Bilder ein Aufruf dafür sein, sich gegenseitig Aufmerksamkeit zu schenken. Grüßt Euch auf der Straße, auch wenn Ihr Euch nicht kennt, zeigt Euch ein Lächeln – denn es kann einen Tag retten :-)
Ach, und besucht doch mal diese kleine Kunstmeile in Oberhausen-Buschhausen, an der Kleinen Emscher, gut zu ereichen über die Obere Sterkrader Straße, direkt am Kleingartenverein Kleine Emscher eV.
Manchmal, ganz selten, überfällt mich das Gefühl, allein und erdrückend einsam im Universum zu sein. Dann habe ich für einen Moment alle Freunde und Verwandten vergessen, die mein Leben zu einem gemeinsamen Unternehmen machen. Dann tritt mir der Angstschweiß auf die Stirn, denn dann fühle ich mich wie ein verlorener Astronaut im All, der frei und ohne jedes Rettungsseil durch das unendliche Universum schwebt, völlig allein zurückgelassen von dem Raumschiff, mit dem er kam. Und mal ehrlich: So ist es doch auch. Oder etwa nicht?
Ich verstehe die Menschen nicht. Warum machen sie sich das Leben gegenseitig so schwer? Das frage ich mich heute wieder, am Karfreitag im Jahre 2025. Wie alle Jahre wieder gibt es Streit um den stillsten aller christlichen Feiertage und seinen Gegenentwurf, den Carfreitag. Oder all die anderen Gegenentwürfe, die allerorten erdacht wurden. Und wohlgemerkt: Ich verstehe beide Seiten nicht.