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altes Coon   10.06.2015
 
Gesellschaft

LEDs wie geschnitten Brot

über den Verpackungs- und Plastik-Wahn

Da möchte man was für die Umwelt tun – oder wenigstens nicht so viel dagegen –, da sieht man sich unversehens genötigt, den eigenen ökologischen Fußabdruck auf Erden doch wieder unnötig zu vergrößern. Ich kaufe mir also ein modernes Leuchtmittel, so eine „Glüh“birne mit sparsamen LEDs, freue mich schon über meinen sinkenden Stromverbrauch, und schon folgt die Enttäuschung auf dem Fuße: die Plastik-Verpackung:

Beim Brot ist es dasselbe. Irgendwann wurde es üblich, sein Brot bereits im Backshop schneiden zu lassen von einer dieser entsetzlich quietschenden Schneidemaschinen. Seither ist „geschnitten?“ die häufigste Frage der Fachverkäuferinnen und der wenigen -verkäufer, da es natürlich immer ein paar Service-Verweigerer gibt. Auch ich habe mich diesem Service hingegeben und es genossen, nicht mehr selber schneiden zu müssen. Bis mir bewusst wurde, wie viel Plastikmüll ich dadurch verursache. Geschnittenes Brot wird nämlich – zumindest bei uns in der Gegend – in einer Plastiktüte verkauft, ungeschnittenes dagegen in Papier. Der Grund ist sicher der, dass einzelne Brotscheiben viel schneller austrocknen und hart werden als ein Brotlaib am Stück. Das Plastik wiederum verhindert dies effektiv. Ich habe mehrmals den Test gemacht und mir ein geschnittenes Brot in Papier geben lassen (und die mitleidigen Blicke ertragen). Schon nach kaum einem Tag wurden die einzelnen Schnitten unangenehm hart.

Heute verzichte ich auf das Schneiden beim Bäcker (zur Freude der Kunden hinter mir in der Schlange). Für mich ist das aktiver Umweltschutz zu einem kleinen Preis: ich muss wieder selber ran und das Brotmesser in die Hand nehmen. Dafür freue ich mich jedesmal, nur Altpapier ins Altpapier zu werfen (schon schlimm genug), anstatt eine Plastiktüte in den Gelben Sack.

LED-Leuchtmittel und geschnitten Brot – beides sind kleine Beispiele für den Plastik-Wahn, dem wir seit vielen Jahrzehnten verfallen sind. Insbesondere das Brot zeigt uns, wie unbewusst wir mit dem Thema umgehen. Da bietet uns jemand einen neuen Service an, und wir fragen nicht nach den Konsequenzen. Wir – zumindest ich – nehmen sie nicht einmal wahr. Wenn aber doch, dann haben wir als Endkunden die Möglichkeit, das Geschehen zu beeinflussen. Beim Brot jedenfalls, bei den Leuchtmiteln ist das schon deutlich schwieriger. Hier hilft wohl nur ein großflächiges Umdenken des Marketings oder ein irgendwie gearteter Plastik-Infarkt oder das schon so lange erfolglos angekündigte Ende des Öls.


Plastik-Massen im Meer überfordern Umweltschützer,
bei Zeit-online
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-02/muell-plastik-ozeane-umweltverschmutzung
Das kann kein Meer mehr schlucken,
Thema beim WWF
http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
Plastic Ocean – Plastikinseln im Meer http://reset.org/knowledge/plastic-ocean-plastikinseln-im-meer
Ich freue mich, wenn Du
diesen Artikel weiterempfiehlst:
     
bisherige Kommentare:
Gerhard
am 20.01.2016
um 21:31 Uhr
Hier eine Seite zur Verdeutlichung der Menge des Abfalls:

http://www.chrisjordan.com/gallery/rtn/#caps-seurat

Da ist alles drin ;-)
 
am 21.01.2016
um 20:36 Uhr
Wow, danke Gerhard.
Erst wusste ich nicht recht etwas anzufangen mit dem Bild, aber dann hat's "Click" gemacht ;-)
 
Gerhard
am 21.01.2016
um 23:07 Uhr
Ja, das ist schon was!
Die Abfallorgien sind schon kolossal!
 
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