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   12.02.2013
 
Film

Django Unchained

oder: einfach mal alles umdrehen ...

Ich stelle mir das so vor: Da gibt es einen Psychopathen aus Knoxville, Tennessee. Durch seine Mühen als Drehbuchautor und Regisseur entsteht ein Spielfilm, in dem amerikanische Nazijäger im besetzten Frankreich der 1940er Jahre einen skrupellosen deutschen Judenjäger jagen. Es mag den o.g. Urheber dann getriezt haben, wie schlecht er die Deutschen in seinem Film hat wegkommen lassen. Und so drehte er für sein nächstes Projekt die Rollen einfach eins zu eins um.

Christoph Waltz spielt in Inglourious Basterds (2009) den deutschen SS-Offizier Hans Landa, den wohl kaum jemand genialer hätte spielen können. Landas Skrupellosigkeit, sein Scharfsinn und die Art und Weise, wie sein Mime die Sprache als Waffe einzusetzen versteht, lassen seinen Charakter geradezu als Monster erscheinen. Brad Pitt als seinen "guten" amerikanischen Gegenspieler Aldo Raine lässt er dabei ziemlich blass aussehen.

Christoph Waltz

In Django Unchained nun spielt Christoph Waltz einen extravaganten Kopfgeldjäger und erneut einen Deutschen: Dr. King Schultz verfügt über denselben Sprachwitz und Scharfsinn wie Hans Landa, nur steht er diesmal auf der "guten" Seite. Leonardo DiCaprio übernimmt hier den Part des menschenverachtenden Monsters. Als Calvin Candie, Sklavenhalter und Besitzer einer großen Südstaaten-Farm, hat er das Pech, ins Fadenkreuz des deutschen Kopfgeldjägers zu geraten.

Django Unchained thematisiert die Sklavenhaltung in den US-amerikanischen Südstaaten kurz vor dem Bürgerkrieg. Der grausame Umgang der Weißen mit ihrem "Besitz" wird schonungslos dargestellt. Dank des o.g. Psychopathen spritzt das Blut reichlich und besonders weit. Leider muss man sich vor Augen halten, dass es so barbarisch wohl wirklich gewesen sein muss, dass die schwarzen Sklaven unsägliches Leid haben ertragen müssen. Dass aber ausgerechnet ein deutscher Kopfgeldjäger, sozusagen der ehemalige Nazi Hans Landa, aktiv Partei für die verachteten Menschen ergreift, ist ein interessantes Detail.

Leonardo DiCaprio

Das genialste an diesem Film sind die Dialoge zwischen Christoph Waltz und Leonardo DiCaprio, ebenso wie ihre oft ausschweifenden Monologe. So erläutert der Sklavenhalter ausgiebig die "wissenschaftlichen" Gründe dafür, warum er sich getrost selbst als "Herrenrasse" ansehen könne. Dass man solch eine Szene so spannend gestalten kann, hätte ich nie gedacht. Der Sklavenhalter-Jäger dagegen erzählt die deutsche Sage um Brunhilde und Siegfried so kurzweilig und einfühlsam, dass dieses altbackene Stück Volksgut sogar mich nicht langweilte. Um dieser Reden willen ist es wirklich schade, dass der Film nach immerhin 165 Minuten Laufzeit schließlich doch zu einem Ende findet.

Das zweit-genialste an diesem Film ist der Humor, der wohl ausschließlich dem kranken Hirn des Drehbuchautoren zu verdanken ist. Die Art und Weise, wie Dr. King Schultz' Redegewandtheit seine Gegner lähmt, der hilflose Blick Calvin Candies, der einen extrem nuschelnden Sklaventreiber zu verstehen versucht (in einer ansonsten bitterbösen Filmszene), oder die beinahe slapstickartig inszenierte Entstehungsgeschichte der berüchtigten Ku-Klux-Klan-Kapuzen – ich habe viel gelacht bei diesem Film, in dem es eigentlich nichts zu lachen geben kann.

Warum ich den Titelhelden von Django Unchained noch nicht erwähnt habe? Weil dieser – ein von Dr. King Schultz befreiter Sklave, gespielt von Jamie Foxx – die Genialität dieses Films nicht ausmacht. Die Figur des Django ist nicht viel mehr als der Aufhänger der Rahmengeschichte und letztlich der Lieferant des gewohnt blutigen Showdowns. Sicher, dieser Typ ist schon besonders, einer unter Zehntausend, ein wahrer Revolverheld und liebender Ehemann, der sich mit Schultz auf die verzweifelte Suche nach seiner Frau macht. Aber Helden wie ihn gab es schon zu viele. Stumpfsinnige Racheepen wie seine Geschichte ebenso. In ihnen wird die Gewalt als Reaktion auf Gewalt nicht nur dargestellt, sondern stets durch ultra-coole Identifikationsfiguren wie ihn wieder und wieder hoffähig gemacht und nur selten ernsthaft hinterfragt. Das muss ich echt nicht haben!

Doch bekanntermaßen sind Racheepen nun einmal ein Steckenpferd des besagten genialen Psychopathen aus Knoxville, Tennessee, dem ich diesen ansonsten überaus sehenswerten Film überhaupt erst zu verdanken habe.


Originaltitel: Django Unchained
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 165 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16
Bilder mit freundlicher Genehmigung der S&L Medianetworx GmbH
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